"Lagom är bäst". Ein Zitat aus Schweden, das auch gut für die Vätternrundan und die Halvvättern gelten kann. Das Zitat bedeutet "Genau das richtige Maß ist am besten". Es beschreibt die Strategie zur Bewältigung der Strecken sehr gut.
Halvvättern & Vätternrundan
Ende 2025 wurden die Pläne für das bevorstehende Jahr geschmiedet und entsprechend haben wir uns zur Halvvättern und zur Vätternrundan angemeldet.
Anfang Juni 2026 starteten wir über den traditionellen Weg mit der Fähre nach Dänemark und weiter über Brücken nach Schweden. Unkompliziert, aber auf dem Rückweg nutzten wir ausschließlich die Brücken, auch weil die Maut über eine App sehr einfach entrichtet werden kann; und auch Kopenhagen kann besucht werden.
Die Anfahrt nach Motala, Startpunkt der Rundan, in Mittelschweden ist entspannt, denn es gibt rigide Tempolimits und weniger Verkehrsaufkommen. Auch die Übernachtungen auf Stellplätzen oder Campingplätzen sind einfach buchbar und die Anlagen verwöhnen selbst anspruchsvolle Vielcamper. Motala hat sich auf die Radevents gut vorbereitet. Es stehen zwei Campingplätze zur Auswahl sowie mehrere Wiesen mit eingeschränkter Infrastruktur; selbst die Unterbringung in Hallen und natürlich in Hotels steht zur Verfügung. Bei der Planung der Übernachtung sollte berücksichtigt werden, dass man erst 6 Stunden nach Zieleinlauf wieder Autofahren darf (!). Dies wird kontrolliert.
Der Start zur Vätternrundan erfolgt im 2-Minutentakt und in Gruppen zu 60–80 Radlern. Der Start und die ersten Kilometer werden jeweils durch ein Motorrad begleitet, anschließend ist jeder auf sich selbst gestellt. Für das Jahr 2026 kann jedoch festgestellt werden, dass man so ganz alleine nie fährt, denn es waren insgesamt 20.000 Teilnehmer aus 70 Ländern am Start. Und so steht der Etappe von 315 km um den Vätternsee nichts mehr im Weg; die Umrundung erfolgt im Uhrzeigersinn. Die Routenführung kann als gut bezeichnet werden. Es gibt Hinweisschilder, aber es gibt auch sehr viele Helfer, die den Weg anzeigen (!). Es sind ca. 2.000 Höhenmeter zu bewältigen. Hier ist nicht der einzelne Anstieg bedeutsam, sondern eher die langgestreckten Anstiege auf der Ostseite des Sees. Die Landschaft ist atemberaubend und so kann und sollte die Seenlandschaft, die Wälder und auch die Dörfer bestaunt werden.
Im Zielbereich fällt die Anstrengung vom Radler ab, denn die Versorgung erfolgt ohne langes Anstehen (Burger und Bier). Im Bedarfsfall kann auch eine Massage in Anspruch genommen werden oder das Rad noch einmal geprüft werden.
Nicht weniger eindrucksvoll ist der Halvvättern über die Distanz von 150km. Der Start und die Streckenführung sind vergleichbar mit der „großen Runde“, d. h. Hinweisschilder und viele Helfer auf der Strecke. Die Verpflegung ist identisch bis auf die warmen Speisen, die nicht angeboten werden, aber auch nicht benötigt werden. Auf der mittleren Distanz sind auch Breitensportler mit von der Partie, die auch mit Tandems, Falträdern und Tourenrädern mit teilweise verkleideten Fahrern und Fahrerinnen unterwegs sind. Da der Start am Vormittag stattfindet, kann die Fahrt noch besser genossen werden.
Die Zeit zwischen den beiden Veranstaltungen haben wir für weitere Radtouren genutzt und konnten die Landschaft somit noch besser kennenlernen:
Karlsborg liegt an der Ostseite des Vätternsees und ist eine Reise wert. In Karlsborg gibt es eine Festungsanlage zu bestaunen; strategisch gut am Göta-Kanal gelegen. Die Festung ist auch deshalb so imposant, weil sie im Kriegsfall als Rückzugsort der schwedischen Königsfamilie samt Regierung und dem Staatsschatz galt. In der Nähe befindet sich ein sehenswerter und idyllischer Leuchtturm. Und auch die Umgebung, wie der Tiveden-Nationalpark, ist sehenswert. Als Wanderer oder als Gravelbikefahrer lassen sich die schroffen und bemoosten Granitfelsen bestaunen, die in dichtere Wälder eingebettet sind. Auch die Fahrt durch den Sigmanspassat ist sehr eindrucksvoll. Schließlich kann bei Forsvik noch eine der typischen und gut erhaltenen Klappbrücken angeschaut werden.
Mölntorp ist ebenfalls an der Ostseite des Vätternsees gelegen und lädt mit der schönen Umgebung zu Radtouren ein. In Kolbäck kann eine landestypische Kirche besucht werden und bei Sörkvarnvägen das imposante Schloss Strömsholm, umgeben vom Fluss Kolbäcksån, mit gut angelegtem Park. Schlusspunkt ist das wunderschöne Vasterås mit einer wirklich sehr schönen Altstadt.
Auch die Umgebung von Motala bietet Möglichkeiten für Radtouren, um zu trainieren oder die Landschaft zu genießen, denn man kann gut am Göta-Kanal entlangfahren und einige Schleusen und Klappbrücken anschauen.
Empfehlungen zur Vätternrundan: „Dies und Das“
- Die Anmeldung zum Event ist einfach; ebenso die Registrierung vor Ort.
- Die frühzeitige Buchung einer Unterkunft ist zu empfehlen, da doch sehr viele Teilnehmer am Start sind. Für Camper stehen genügend Flächen zur Verfügung.
- Untrainiert sollte man nicht auf die 315-km-Runde starten. Empfohlen wird eine Trainingsleistung von 1.500 km in den Monaten vor dem Event, wobei die Tagesetappen auch eine Länge von 100–150 km betragen sollten. Persönlich wurden in den sechs Monaten vor dem Event 4.300 km absolviert. Empfehlenswert ist auch der Start bei den Halvvättern (150 km) in der Woche vor der Vätternrundan.
- Startzeit wird viel diskutiert. Ein Start in den späteren Abendstunden hat Vorteile, da die Nacht nur kurz ist, und eine Ankunft am Nachmittag ist zu favorisieren. Schnelle Fahrer und Fahrerinnen starten häufig in den Morgenstunden oder am Vormittag.
- Die Formalien sind zu beachten. Dies gilt für eine komplette Beleuchtung für den Zeitraum 23:00 – 04:00 sowie Reflektoren für den hinteren und vorderen Bereich.
- Beim Equipment werden keine Experimente gemacht: Alle Kleidungsstücke wurden im Vorfeld ausprobiert. Dies gilt auch für das Rennrad (Stevens Izoard), das jedoch für die Langdistanz vorbereitet wurde. Die Schaltung (Shimano Ultegra) wurde für Etappen im hügeligen Terrain vorbereitet (Kettenblätter: 50/34; Ritzelpaket: 11-32). Der Lenker wurde ersetzt durch ein Modell mit Rise und breiteren Auflagen.
- Wie wird sich der Wettergott verhalten? Nun, in der Nacht kann es kalt werden und während des Tages kann es warm werden. Wie so häufig lautet die Devise: Ankleiden nach dem Zwiebelprinzip. Erleichtert wird diese Entscheidung durch die Möglichkeit, Kleidung während der Rundfahrt an einem der Depots abzugeben. Die Kleidungsstücke werden im Zielbereich wieder abgeholt.
- Die Verpflegung während der Rundfahrt ist Geschmackssache: Bei jeder Verpflegungsstation werden kleine, weiße Brötchen, Bananen und Salzgurken in Essig angeboten. Außerdem wird warme Blaubeersuppe offeriert. Bei Kilometer 107 werden Köttbullar, Kartoffelbrei und Preiselbeeren angeboten und bei Kilometer 170 kann Lasagne zur Stärkung gegessen werden. Getränke sind Kaffee, Saft und Wasser.
Streckenverlauf
Tagesetappen
Etappe Distanz (km) Dauer (h:min) Tempo (km/h) Strecke
1 150,0 6:10 24,1 Halvvättern
2 77,5 4:24 17,6 Karlsborg
3 27,9 1:33 17,9 Motala
4 315,0 12:35 25,1 Vätternrundan
5 32,0 1:46 17,9 Motala
6 62,8 4:05 15,4 Mölntorp
7 35,0 1:45 16,7 Vikarbyn
Kurzbeschreibung
Parameter Daten
Distanz (km) 700,2 km
Tagesetappen 7
Dauer (h:min) 32:30
Höhenmeter, netto (m) 3.644
Tempo (km/h) 19,2
Streckenverlauf
"Dies und Das"
- Urlaub in Schweden ist Entschleunigung. Der Verkehr läuft in ruhigen Bahnen. Camping erfolgt auf gutem Niveau.
- Die Organisation des schwedischen Klassikers ist sehr gut. Das Radfahren kann genossen werden.
- Die o.a. Empfehlungen waren für uns sehr hilfreich.








































































































































