„Fehler gleichen einem Hügel, jeder ersteigt seinen und sieht nur die der anderen.“
(Sprichwort aus Südafrika)
Pedalieren auf der Garden Route in Südafrika
Die Radreise führte durch den Südwesten Südafrikas. Für die Radreise wurden MTB ausgewählt; eine Fahrt mit Gravelbike (mit breiter Bereifung) sollte aber auch möglich sein. Überwiegend führte die Reise an der Küste über asphaltierte Straßen, aber auch im Landesinneren wurden Offroad-Strecken ausgiebig absolviert. Angenehm war, dass durch verkehrsarme Gebiete pedaliert wurde.
Die Landschaft war überwältigend: viele wilde Tiere, eine Vielzahl blühender Pflanzen, atemberaubende Felsenküste, Berglandschaften, Steppen und Urwälder.
Der erste Tag der Radreise startete mit einem Besuch des Addo Elephant Nationalparks, dem drittgrößten Nationalpark in Südafrika. Natürlich konnten Elefanten bestaunt werden und auch Warzenschweine wurden gesichtet. Leider wurden keine weiteren Tiere gesichtet. Dies soll wohl am sehr trockenen Klima in den vergangenen Monaten liegen. Auf einer ruhigen Nebenstraße radelte ich, Dagmar, über Tsitsikamma (Khoi-Sprache: „Ort mit reichlich Wasser) nach Stormsriver am Fuße der majestätischen Tsitsikamma-Berge. Hier habe ich die Hängebrücke und den Nationalpark besucht.
Am nächsten Tag führte die Radetappe auf das bewaldete Plateau bei Stormsriver und anschließend zum Tsitsikamma-Nationalpark: frische Meeresluft, Urwald, Felsen und bewegte Küste. Ausgeruht ging es über eine kurze, schnelle Abfahrt zur Mündung des Storms River an der wildromantischen Küste. Abschließend radelten wir zurück auf das Plateau und durch das schöne Bloukrans-Tal (mit der berühmten Brücke) nach Nature's Valley am Indischen Ozean. Umgeben ist das Tal von ausgedehnten Waldgebieten des Tsitsikamma-Forsts.
Der nächste Programmpunkt war eine Wanderung im dichten und sehr ursprünglichen Tsitsikamma-Urwald. Der Name ist Programm, denn Tsitsikamma bedeutet in der Sprache der Khoikhoi „wasserreicher Platz“. Hier kann auch das Küsten-Fynbos besichtigt werden. Ich hatte das Glück, dass im südafrikanischen Frühling viele Pflanzen blühten. Abschließend wurden die schönsten und einsamsten Strände der Garden Route erkundet.
Ausgeruht ging es am nächsten Tag von der Lagunenstadt Knysna nach Uniondale. Die Stadt liegt am Kammanassie River und am Fuße des Tsitsikamma-Gebirges. Hier gab es vornehmlich Offroad-Strecken. Kein Wunder, denn Uniondale ist Ausgangspunkt des Karoo-to-Coast-Mountainbike-Rennens, das nach Knysna über den Prince Alfred’s Pass führt. Ich passierte auch diesen Pass (1.050 m). Eine willkommene Ablenkung war die Fahrt durch den Urwald, die Kiefernwälder, die vielen Akazien und die vielen blühenden Sukkulenten.
Am nächsten Tag pedalierte ich durch die Weite der Kleinen Karoo, einer Halbwüstenlandschaft. In der Sprache der San bedeutet der Name „trockenes, dürres, steiniges Land“; zu Recht. Die Ausblicke auf die Swartberge waren beeindruckend, vor allem die Panoramaaussicht. Abseits der Straße konnten wieder unzählige Sukkulenten auf dem Weg nach De Rust bestaunt werden. Natürlich durfte ein Besuch von Meiringspoort mit den bis zu 700 m hohen Felswänden nicht fehlen. Entstanden ist die schmale Passage, als der Fluss Groot sich seinen Weg durch die Swartberge gebahnt hat. Abschließend wurde auch ein Wasserfall besucht, der jedoch jahreszeitlich eher ein Rinnsal war.
Weiter ging es von De Rust zu den Höhlen von Cango Dripstone. Die Strecke verlief auf einer hügeligen Piste am Fuße der Swartberge entlang. Die „schwarzen Berge“ sind ursprünglich rötlich gefärbt, aber durch Erosion und Pflanzenbewuchs dunkel getönt. Eine lange Abfahrt war die Belohnung für den Anstieg. Durch die Schoemans-Schlucht ging es nach Oudtshoorn, dem Zentrum der Straußenzucht.
Ausgeruht ging es, nach einem Ruhetag, weiter mit der Überquerung des Olifantsflusses und einem langen Anstieg. Es wurde auch der höchste Anstieg der Reise absolviert: der Robinson-Pass (860 m). Belohnt wurde die anstrengende Etappe mit imposanten Panoramaaussichten. Bei gutem Wetter kann man den Blick bis zum Indischen Ozean und zur Mossel Bay schweifen lassen. Endstation war dann Klein Brak River.
Weiter ging es von Albertinia, dem Zentrum der Aloezucht, nach Riversdale. Albertinia, am Indischen Ozean gelegen, repräsentiert das ursprüngliche Südafrika, das von Landwirtschaft und Viehzucht geprägt ist. Während der Fahrt konnten auch die wilden Aloe Ferox, auch Kap-Aloe, bestaunt werden. Riversdale ist ein Küstenort am Fuße der Langeberg Mountains, genauer: am „Sleeping Beauty Mountain“ gelegen.
Am nächsten Tag radelte ich auf einer bergigen Etappe nach Heidelberg, benannt nach Heinrich Julius Ueckermann, der hier eine Handelsstation errichtete und den Ort nach seinem Studienort benannte. Anschließend pedalierte ich auf einer Asphaltstraße nach Swellendam. Die Kleinstadt liegt idyllisch an den leicht gewölbten Hängen der Langeberge. Die Häuser sind meist mit Reet gedeckt. Dies kenne ich aus Norddeutschland.
Die nächste Radetappe führte erst auf einer Offroad-Piste, später auf einer asphaltierten Straße nach Bonnievale. Die flache Strecke im Breedetal führte an einigen Weingütern und Obstplantagen vorbei. Aber es wurden auch der südafrikanische Nationalvogel, der Paradieskranich, Springböcke und die blau blühenden Palisanderbäume am Straßenrand bestaunt. Natürlich wurde die Möglichkeit einer Weinverkostung genutzt. Schließlich wurde das Etappenziel Robertson erreicht.
Am Vormittag des nächsten Tages wurde ein kleines Dorf mit charmantem Markt besucht. Natürlich durfte auch hier eine Weinprobe nicht fehlen! Anschließend wurde eine Bootstour unternommen. Auf diese Weise konnte die Landschaft noch einmal „entschleunigt“ genossen werden und Vögel, wie der Heilige Ibis und der Kuhreiher, konnten beobachtet werden. Am Nachmittag wurde eine entspannte Radtour zu dem historischen Dorf McGregor unternommen.
Die nächste Etappe führte an Weingütern vorbei und über Rawsonville, einer kleinen Weinbau- und Bauerngemeinde, in das ruhige Slangkoptal, d. h. das Tal der Schlangenköpfe. Anschließend pedalierte ich durch die Bainskloof-Schlucht am White River entlang. Die unter Denkmalschutz stehende Straße wurde vor 170 Jahren erbaut und ist nun asphaltiert. Die Strecke ist eine landschaftliche Schönheit und gilt als nationales Denkmal. Von der Passhöhe auf 600 m Höhe kann man bei gutem Wetter in 70 km Entfernung den Tafelberg sehen. Über eine lange Abfahrt erreichte ich den Weinort Wellington.
Die nächste Etappe führte von Kleinmond durch das Biosphärenreservat in Kogelberg und schließlich nach Gordon’s Bay, einem Ort mit schönem Badestrand. Auf dieser Etappe konnten wieder eine Vielzahl von Tieren, wie Paviane und Pinguine (in der Betty’s Bay), aber auch zahlreiche Pflanzen beobachtet werden. Dies ist dem Umstand geschuldet, dass im europäischen Herbst in Südafrika Frühling herrscht.
Anschließend ging es über die felsumrandete False Bay (Valsbaai oder „Falsche Bucht“) zum Kap der Guten Hoffnung, an der Südspitze Afrikas. Der Name basiert auf dem Umstand, dass Segelschiffe durch den starken Wind und die Strömung häufig an die Felsen gedrückt wurden und dort aufliefen. Die Rückfahrt per MTB erfolgte auf der Westseite der Kap-Halbinsel nach Kapstadt. Die Route über den steilen und windigen Chapman’s Peak und Hout Bay gilt zu Recht als eine der atemberaubendsten Strecken in Südafrika. Nicht umsonst findet hier jährlich das populäre Cape Town Cycle Tour Radrennen mit über 35.000 Teilnehmern aus aller Welt statt.
Am letzten Tag der Radreise hatte das MTB einen Ruhetag verdient und so stand eine Wanderung auf den Tafelberg bei Kapstadt auf dem Programm. Natürlich wurde auch hier das Wetter berücksichtigt, denn bei Windböen mit 65 km/h Windgeschwindigkeit war die Fahrt mit der Seilbahn nicht möglich. Also wanderten und kletterten wir in einer kleinen Gruppe über Geröll, auf Leitern und Stegen auf den Tafelberg. Die blühende Vegetation konnte bei diesem erschwerten Aufstieg, aber auch Abstieg, umso mehr genossen werden. Auch die Panoramasicht auf Kapstadt war atemberaubend, genauso wie der Blick auf Pitekopp George und den Löwenkopf. Es war eine Wanderung über 15 km und 1.000 m Höhenmeter. Fast unbeschreiblich!
Fazit:
1. Die Straßenverhältnisse sind in Südafrika gut. Es gibt gut asphaltierte Straßen in der Kapregion. Im Landesinneren fährt man häufig auf unbefestigten Straßen, aber gerade hier wird die Schönheit des Landes sichtbar.
2. Das Klima ist im südafrikanischen Frühling ideal für Radtouren und daher ist diese Reisezeit zu empfehlen. Natürlich sollte berücksichtigt werden, dass die Tagestemperatur auch auf 30 Grad ansteigen kann, Abkühlung bietet die Nacht. Auch ist der Wind zu berücksichtigen (Halsschal (!) und unter Umständen Gegenwind).
3. Ich bin mit African Bikers unterwegs gewesen. Die Radreise war abwechslungsreich und ich konnte einen Einblick in Land und Leute gewinnen.
Streckenverlauf
Tagesetappen
Etappe Distanz (km) Dauer (h:min) Geschwindigkeit (km/h) Strecke
1 36,7 2:16 16,2 Stormsriver
2 52,1 2:55 17,8 Kou Kamma
3 20,5 1:16 16,3 Nature's Valley
4 46,3 3:51 12,0 Uniondale
5 66,0 3:10 17,7 De Rust
6 71,1 4:24 16,2 Oudtshoorn
7 73,3 4:15 17,2 Klein Brak River
8 51,8 3:07 17,6 Riversdale
9 85,0 5:08 16,6 T.Junction
10 70,8 3:52 18,3 Swellendam
11 45,1 2:24 18,8 Robertson
12 73,6 3:44 19,8 Wellington
13 53,7 2:35 20,9 Gordon's Bay
14 50,9 2:20 21,9 Kapstadt
Kurzbeschreibung
Parameter Daten
Distanz (km) 797 km
Tagesetappen 14
Dauer (h:min) 46:00
Höhenmeter, netto (m) 17.348
Tempo (km/h) 17,6
Streckenverlauf
"Dies und Das"
Dies und Das“
· Ich bin mit einem MTB, natürlich Bio-Bike, unterwegs gewesen. Eine gute Wahl, denn wir sind doch häufig offroad unterwegs gewesen und eine Federung der Vordergabel war sinnvoll. Natürlich kann die Radreise auch mit einem Gravelbike absolviert werden.
· Verständigung in englischer Sprache klappt sehr gut. Freundliche und hilfsbereite Menschen am Wegesrand unterstützen so manche anstrengende Etappe.
· Eine Reiseapotheke sollte nicht vernachlässigt werden, denn wir waren häufig „abseits“ unterwegs, so dass Medikamente nicht akut besorgt werden konnten. Auch unterliegen viele Medikamente (z. B. Antibiotika) der Rezeptpflicht, ein Arztbesuch ist somit unerlässlich.














































































































































