„Um abends erholt schlafen zu können, musst du dich am Tag erholen.“ (Montenegrinische Weisheit)

 

Im Juni 2026 sind wir über Kroatien nach Montenegro und über Albanien nach Griechenland gefahren. Der Bulli ist dafür hervorragend geeignet, da die Straßen in diesen Ländern doch sehr eng und kurvig sein können. Entsprechend können größere Wohnmobile hier auf Schwierigkeiten stoßen.

Die erste Station war Dubrovnik. Hier hatten wir einen sehr guten Campingplatz vor Dubrovnik gefunden. Der Betreiber warnte uns, mit den Rädern nach Dubrovnik zu fahren, da der Autoverkehr doch sehr rege sei und die Fahrer nicht mit Radfahrern rechnen würden. Wir nutzten trotzdem die Räder, fuhren auch über Nebenstraßen und konnten so erste Eindrücke zu Kroatien sammeln. Die Autofahrer fuhren übrigens defensiv. Wohlbehalten erreichten wir die „Perle der Adria“. Wir bummelten durch die Altstadt und über die Placa sowie auf der eindrucksvollen Stadtmauer mit schönen Impressionen wie den Festungen (z.B. Festung Lovrjenac), Kirchen und auch den Dächern der Altstadt. Abschließend stand eine Fahrt mit der Seilbahn auf den Berg Srd auf dem Programm. Auch hier hat man einen schönen Panoramablick über die Stadt; sogar ohne Kreuzfahrtschiffe.

Und schon ging es weiter nach Montenegro. Hier kann man sehr gut auf sogenannten „Panoramarouten“ das Land erkunden. Diese Straßen sind gut ausgebaut und die Verkehrsteilnehmer sind rücksichtsvoll. Wenn man wegen der Sehenswürdigkeiten stoppen möchte, empfiehlt es sich, die Routen entgegen dem Uhrzeigersinn zu befahren, da hier Haltebuchten zur Verfügung stehen.

Das erste Ziel war die von Bucht von Kotor, genauer Tivat. Die Bucht ist 30km lang und ist eingerahmt von steilen Bergflanken aus Karstgebirge; es ist der südlichste Fjord Europas. Wir entschieden uns, die Bucht mit den Rädern zu erkunden. Eine sehr gute Entscheidung, denn die Straße an der Bucht ist sehr eng, so dass eine Autofahrt doch mit Stress verbunden sein kann. Auch gilt wieder einmal, dass man per Rad einfach mehr von der Landschaft und den kleineren Städten sehen kann. Übrigens ist die Promenade von Perast für den Autoverkehr gesperrt. Perast ist beschaulicher als Kotor und unser Favorit unter den Dörfern am Fjord. Sehr schön ist der Blick auf die beiden vorgelagerten Inseln St. Georg und St. Marien. Perast ist an einem Hang gelegen: Oben verläuft die Küstenstraße, unten die autofreie Uferpromenade. Verbunden sind die Straßen durch kleine, verwinkelte Gassen. Das zweite Highlight ist das mittelalterlich geprägte Kotor, ein UNESCO-Welterbe. Die Altstadt, Stari Grad, ist mit den vielen verwinkelten Gassen und vielen Kirchen zu Fuß zu besichtigen. Umgeben ist die Altstadt von einer eindrucksvollen 4,5km langen Stadtmauer. Von der Stadtmauer hat man einen guten Panoramablick über die Bucht und die Stadt sowie den die Stat umgebene bis zu 1.894m hohen Bergkette. Vorteilhaft ist, dass die Radtour an der Bucht von Kotor eine Rundfahrt ist, denn zwischen Kamenari und Lepetane verkehrt eine Fähre, die für Radfahrer umsonst ist.

Über Budva sind wir nach Sveti Stefan gefahren, eine sehr kleine Adriainsel, die durch einen Damm mit dem Festland verbunden ist. Es ist das Postkartenmotiv und die Insel ist in eine traumhafte Kulisse eingebettet. Vorgelagert befindet sich ein Fischerdorf, dessen Besuch sehr lohnenswert ist. Zu berücksichtigen ist, dass die Insel nicht allgemein zugänglich ist, also für den Individualtourist nicht zugänglich ist. Weniger attraktiv fanden wir die Küstenorte wie Budva, die doch sehr touristisch geprägt sind und sich durch eine massive Bautätigkeit auszeichnen.

Über die Panoramastraße 2 sind wir nordwärts durch die Moraca Schlucht gefahren. Es ist eine 50km lange Schlucht mit traumhafter Naturkulisse. Neben der grandiosen Landschaft mit verkarstetem Bergland, Wäldern und dem smaragdgrünen Fluß Moraca empfiehlt sich der Besuch des Klosters Moraca, das liebevoll gepflegt ist. Nach 33 Tunneldurchfahrten haben wir Kolasin erreicht, das vom Gebirgsmassiv Komovi eingerahmt ist. Der Nordosten Montenegros ist noch ursprünglich und noch ursprünglich.

Im wunderschönen Lipovo-Tal haben wir bei Gornje Lipovo eine ausgedehnte Radtour unternommen und sind auf Nebenstraßen mit wenig Verkehr durch die Bergwelt mit vielen Wäldern und landwirtschaftlich genutzten Feldern sowie Wiesen gefahren.

Vom Lipovo-Tal sollte es direkt über die Panoramastraße 2 zum Tara Canyon gehen. Der Canyon liegt im Ljubisnja-Gebirge und ist 150km lang und 1.350m tief in den Kalkstein eingebettet. Damit ist der Tara Canyon die zweittiefste Schlucht der Welt. Die ursprünglich geplante Route war jedoch wegen Murenabgängen nicht befahrbar. Aber die alternative Route über die R-21 und R-20 war eine sehr gute Empfehlung: Es ging an den Flüssen Moraca und Bukovica entlang, viele Serpentinen säumten den Weg und die Lanschaft  war überaus reizvoll. Da die Straßen in einem gebrauchten Zustand waren, war die Höchstgeschwindigkeit auf 30km/h limitiert, d.h. genussvolles Reisen. Über die Panoramaroute 6 erreichten wir schließlich den Tara Canyon. An der Durdevica Tara bietet sich als Aktivität Sipline und Rafting an, aber auch eine Wanderung in den Canyon ist reizvoll.

Die nächste Station war das UNESCO Weltnaturerbe Durmitor Nationalpark. Der Nationalpark bietet über 48 Berge mit über 2.000m Höhe und 18 Gletscherseen, so dass die Auswahle schwerfällt. Wir machten bei Zabljak Station und unternahmen Radtouren entlang der Panoramastraße 3 und Nebenstraßen zum Teufelssee (Vrazje Jezero); natürlich haben wir auch das UNESCO-Welterbe Stecci, mittelalterliche Grabsteine, besichtigt. Die Tour war eher flach, da wir vornehmlich auf dem Hochplateau pedalierten, aber es wehte ein ordentlicher Wind. Der Teufelssee in seinen verschiedenen Blautönen war Entschädigung genug und natürlich wurde auch der Fischsee (Riblje Jezero) besucht. Beide Seen unterscheiden sich, denn der Teufelssee hat praktisch kein organisches Leben, wohingegen der „Fischsee“ sehr belebt ist. Abschließend haben wir dann auch noch den in einer spektakulären Bergkulisse eingebetteten Schwarzen See (Crno Jezero) besucht. Für eine Umrundung des Sees ist eine Wanderung zu empfehlen.

Das Skigebiet bei Zabljak haben wir in Richtung Niksic, in Zentral-Montenegro, über die Panoramaroute 3 verlassen. Am Krupac-See haben wir Station gemacht und sind mit den Rädern zum Kloster Ostrog gefahren. Es existieren mehrere Parkplätze beim Kloster, aber die Zufahrt ist für gößere Wohnmobile erschwert (enge Straßen, Serpentinen); für den Bulli kein Problem. Eine Radtour bietet sich an, auch weil die Etappe durch eine sehr ländlich geprägte Gegend führt und mit steilen Anstiegen verbunden ist. Aber das Kloster ist wie ein Vogelnest an und in den 900m hohen Felsen des Prekornica Gebirges gebaut und daher ist der Weg zum Kloster abenteuerlich (Steigungen von 15% und wilde Pferde auf den Wegen). Der Weg und der Besuch des Klosters, eines der bedeutendsten Klöster der serbisch-orthodoxen Kirche, ist sehr lohnenswert, denn die Architektur ist spektakulär und die mosaikartigen Reliefs grandios. Als Rückweg nach Krupac haben dann die Panoramastraße 1 gewählt.   

Der Weg führte wieder an die Küste, wobei wir am Skadar-See (Skardarsko Jezero) Station machten. Der Skadar-See ist der größte See des Balkans und nach der Legende durch die Tränen einer montenegrinischen Fee entstanden, also ein Juwel. Eingerahmt ist der See vom bis zu 1.66m hohen Rumija gebirge. An diesem See soll es über 200 Vogelarten geben, wobei die Attraktion der Pelikan ist, der dann auch mehrfach auf einer privaten Bootstour gesichtet wurde. Aber auch die Seerosen und Seekastanien sind sehenswert.

Über die Panoramastraße 1 sind wir nach Bar, mit einer schönen Altstadt, sind wir Richtung Albanien gefahren.  Auf dem Weg haben wir auch Petrovac und Ulcinj gesehen, aber leider wurde unser Eindruck von den Küstenstädten bestätigt: touristisch sehr frequentiert, ausgeprägte Bauaktivitäten und Unmengen von Strandschirmen. Das Binnenland von Montenegro fanden wir sehr viel reizvoller.

In Albanien sind die Straßen größtenteils in einem schlechten Zustand, d.h. man sollte vornehmlich die Hauptstraßen nutzen. Auch gilt es bei der Planung zu berücksichtigen, dass aufgrund der Straßenverhältnisse nur langsam gefahren werden kann. Die positive Seite ist hierbei, dass man dann mehr von der Landschaft genießen kann. 

Wir haben sowohl die Küstenregion als auch die albanischen Alpen besucht. Die albanischen Alpen sind ein Gebirgsmassiv mit tief eingeschnittenen, verwinkelten und zerklüfteten Tälern und tiefen Schluchten. Sehr eindrucksvoll. Die Küste ist touristisch sehr stark geprägt und es gibt eine intensive Bauaktivität. Daher haben wir die Küste (Durres, Vlora) im Schnelldurchgang „abgehakt“. Die albanischen Alpen sind ursprünglicher. Die Landschaft ist grandios, besonders der Osum Canyon. Da die Campingplätze sehr spartanisch sind, haben wir Hotelübernachtungen gewählt und wurden nicht enttäuscht. Besonders das Frühstück war reichhaltig und von großer Auswahl.

Berat, die „Stadt der Tausend Fenster“, haben wir zweimal besucht: Auf der Fahrt zum Osum Canyon und auf der Rückfahrt. Hier gilt es zu berücksichtigen, dass nur selten Passstraßen über die Berge existieren, so dass der Hin- und Rückweg häufig identisch ist. Aber ein solcher Perspektivwechsel ist ja auch interessant. Man sieht mehr!

Berat repräsentiert ein UNESCO-Weltkulturerbe und zeichnet sich durch viele weiße Häuser mit großen Fenstern aus: Die osmanische Architektur ist noch überall gegenwärtig. Die Burg thront über der Stadt und eine Wanderung zur Burg sowie der fast alpine Abstieg ist sehr lohnenswert. 

Nördlich von Berat liegt der Osum Canyon, der sich über 13km erstreckt und auch der „Grand Canyon von Albanien“ genannt wird: Der Fluß Osum fließt in 70-80m Tiefe in den Steilwänden. Die Schlucht ist eng und tief, so dass man nur an wenigen Stellen den Fluß erkennen kann. Hier bietet sich eine Raftingtour an. Im Hochsommer kann eine Tour wegen Wasserknappheit ausfallen oder es wird tube-rafting angeboten, das auch spannend ist.

Gjirokastra, die „Stadt der Steine“ ist eine der ältesten Städte Albaniens und ebenfalls ein Weltkulturerbe; selbst die Dächer sind mit Steinen belegt. Die Stadt ist geprägt von Häusern aus der osmanischen Zeit und ein Gang durch das (touristische) Bazarviertel ist interessant. Die Festung ist gut restauriert und der steile Aufstieg ist lohnenswert. In der Nähe findet man die einsame Al-Pasch-Brücke. Der Fußweg ist anstrengend, aber lohnenswert: Eine Bogenbrücke in karger Landschaft. 

Das spektakuläre „Blue Eye“ (Syri i Kalter), eine klare Karstquelle, die bis zu 45m tief ist, beeindruckt uns; besonders die verschiedenen Blautöne der Quelle sind beeindruckend. Eingebettet ist das Blue Eye in ein schönes Naturschutzgebiet, das zu einem Rundgang einlädt. Allerdings ist das Blue Eye touristisch sehr stark frequentiert. 

Fazit:

  1. Wenn man sich Dubrovnik eingehender besuchen möchte, empfiehlt sich der Dubrovnik-Pass. Viele Sehenswürdigkeiten sind inkludiert oder kostengünstiger. Zu beachten ist, dass manche Sehenswürdigkeiten montags geschlossen sind.
  2. Die Straßen in Montenegro sind „top“, wobei wir primär auf den Panoramarouten unterwegs waren. Aber auch die Nebenstrecken, per Fahrrad, sind sehr gut. Die Montenegriner fahren rücksichtsvoll. Pedalieren ist sehr gut möglich.
  3. Die Campingplätze in Montenegro sind gut bis sehr gut, wobei wir ausschließlich im Binnenland Station gemacht haben. Auf den Campingplätzen befinden sich auch häufig einfache Restaurants. Hier kocht häufig „Mom“; lecker.
  4. In Albanien sind die Straßen häufig in einem schlechten Zustand. Dies gilt besonders für die albanischen Alpen. Man kommt nur langsam voran, aber kann so die Landschaft genießen. 
  5. Campingplätze sind „sehr einfach“ und daher haben wir in Hotels genächtigt. Der Preisunterschied einer Übernachtung ist zwischen Camping und Hotel nur gering und das Frühstück in den Hotels war „unbezahlbar“.

 

Streckenverlauf

Tagesetappen
Etappe     Distanz (km)    Dauer (h:min)  Höhenmeter (m)     Strecke
1                    38,5                        2:00                260                        Dubrovnik       
2                   43,0                        2:36                 150                         Bucht von Kotor
3                   27,0                        2:25                  630                        Tal von Lipovo
4                   5,0                          1:35                  150                         Tara-Schlucht (W)
5                   44,5                        2:35                  500                         Durmitor Park
6                    5,0                        0:45                    70                         Durmitor Park
7                   52,5                        3:45                   760                         Kloster von Ostrog
8                  20,5                        1:20                  290                         Osum-Canyon
9                   4,0                        1:00                    50                          Burg von Berat (W)

W: Wanderung


 

Kurzbeschreibung

Parameter                                     Daten

Distanz (km)                                     240 km

Tagesetappen                                       9                

Dauer (h)                                         17:00 h 

Höhenmeter                                  2.700 m


 

 

 

"Dies und Das"

  • Für Montenegro und Albanien wird die Anschaffung einer e-SIM-Karte empfohlen, die für beide Länder gilt. Verkauft werden dies Karten direkt an den Grenzübergängen.
  • Die Panoramarouten in Montenegro sind empfehlenswert, da sie sehr gut ausgebaut sind.
  • Die Fahrt auf montenegrinischen und albanischen Straßen, besonders im Binnenland, ist eher langsam, auch weil mit Schafen, Pferden und Rindern auf den Straßen zu rechnen ist. Aggressive Hunde haben wir, zum Glück, nicht erlebt.
  • Radfahren ist in Montenegro und Albanien sehr empfehlenswert, da die Straßen doch sehr eng sein können und man eh nicht schnell fahren kann.
  • Montenegro zeichnet sich durch eine grandiose, beeindruckende und vielfältige Natur aus.

Streckenverlauf

Dubrovnik

Bucht von Kotor

Lipovo-Tal

Moraca-Schlucht

Tara-Schlucht

Tara-Schlucht

Durmitor Nationalpark

Kloster von Ostrog

Skadar See

Skadar See

Bar

Berat

Osum-Canyon

Osum-Canyon

Burg von Berat

Gjirokaster und Blue Eye

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